Nikolai Weber

Nikolai Weber (2008)
Stand: 18. Juni 2015
Nikolai Weber (* 25. Oktober 1980 in Münzenberg) ist ein deutscher Handballtorwart. Er ist 1,95 m groß und spielt beim Bundesligisten HSG Wetzlar.
Nikolai Weber begann in seiner Heimatstadt bei der HSG Münzenberg/Gambach mit dem Handballspiel. Bereits im Jahr 2000 kam er zur HSG Wetzlar, für die er auch in der Bundesliga debütierte. Hinter Axel Geerken und Waldemar Strzelec war er jedoch zunächst nur dritte Wahl im Wetzlarer Tor. Um mehr Spielpraxis zu sammeln wechselte er 2002 zum damaligen Zweitligisten TV Gelnhausen. Dort blieb er drei Jahre, ehe er 2005 zu den Wetzlarern zurückkehrte. Er entwickelte sich zum Stammtorhüter und Führungsspieler der Bundesligamannschaft. Ab der Saison 2013/14 spielte Weber für die TSV Hannover-Burgdorf. Im Sommer 2015 kehrte er nach Wetzlar zurück, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieb.
Nikolai Weber hat vier Länderspiele für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft bestritten.
33 Andreas Wolff | 98 Nikolai Weber | 3 Carlos Prieto | 5 Vladan Lipovina | 7 Christian Rompf | 9 João Ferraz | 11 Sebastian Weber | 13 Jonas Müller | 14 Moritz Zörb | 21 Florian Laudt | 22 Maximilian Holst | 23 Steffen Fäth (C) | 24 Fabian Kraft | 26 Tobias Hahn | 27 Kristian Bliznac | 29 Guillaume Joli | 44 Evars Klešniks | 80 Jannik Kohlbacher | 91 Filip Mirkulovski | 96 Stefan Hanemann | Trainer: Kai Wandschneider | Co-Trainer: Jasmin Camdzic

Bennet Bicknell

Bennet Bicknell (* 14. November 1781 in Mansfield, Connecticut; † 15. September 1841 in Morrisville, New York) war ein US-amerikanischer Politiker. Zwischen 1837 und 1839 vertrat er den Bundesstaat New York im US-Repräsentantenhaus.
Bennet Bicknell wurde während des Unabhängigkeitskrieges im Tolland County geboren. Er besuchte öffentliche Schulen. 1808 zog er nach Morrisville. Während des Britisch-Amerikanischen Krieges diente er in der Armee. Er saß 1812 in der New York State Assembly und zwischen 1814 und 1818 im Senat von New York. Zwischen 1821 und 1825 war er Clerk im Madison County. Er arbeitete dann als Redakteur für den Madison Observer. Politisch gehörte er der Demokratischen Partei an.
Bei den Kongresswahlen des Jahres 1836 für den 25. Kongress wurde Bicknell im 23. Wahlbezirk von New York in das US-Repräsentantenhaus in Washington, D.C. gewählt, wo er am 4. März 1837 die Nachfolge von William K. Fuller antrat. 1838 erlitt er bei seiner Wiederwahlkandidatur eine Niederlage und schied nach dem 3. März 1839 aus dem Kongress aus.
Er verstarb ungefähr fünf Jahre vor dem Ausbruch des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges in Morrisville. Sein Leichnam wurde dann auf dem Morrisville Rural Cemetery beigesetzt.

Mount Gilead (Ohio)

Morrow County
39-52738
Mount Gilead ist ein Village in Morrow County, Ohio, Vereinigte Staaten. Der Ort, der nach der Volkszählung von 2000 3290 Einwohner hat, ist County Seat (Verwaltungssitz) des Morrow County.
Nachdem 1817 die ersten weißen Siedler in die Region kamen, wurde der Ort, der damals noch im Marion County lag, zunächst als Whetsom und Youngstown bezeichnet. Ab 1832 als Mount Gilead bekannt, wurde der Ort 1839 offiziell als Gemeinde registriert. Im Jahr 1848 wurde Mount Gilead mit damals etwa 400 Einwohnern zum Verwaltungssitz des neu gegründeten Morrow County bestimmt.
Mitte des 19. Jahrhunderts waren einige Einwohner, die aus zumeist religiösen Gründen die Sklaverei ablehnten, im Underground Railroad engagiert. Um 1880 hatte Mount Gilead 1216 Einwohner. Im Jahr 1919 wurde dem Ort von der US-Regierung eine Siegessäule zum Gedenken daran gestiftet, dass in Morrow County während des ersten Weltkriegs im Verhältnis zum Pro-Kopf-Einkommen mehr Kriegsanleihen erworben wurden als in irgendeinem anderen County der Vereinigten Staaten.
Bedingt durch die entsprechende Prägung des Morrow County blieb bis ins 20. Jahrhundert die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig in Mount Gilead, das zur Jahrtausendwende der am stärksten besiedelte Ort des County war.

EBITA

EBITA ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und sagt etwas über den Gewinn eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum aus.
EBITA ist die Abkürzung für englisch earnings before interest, taxes and amortization. Wörtlich übersetzt heißt das: Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. In der praktischen Anwendung hat es jedoch die Bedeutung von „Gewinn vor Finanzergebnis, außerordentlichem Ergebnis, Steuern und Firmenwertabschreibungen“. Es werden also außerordentliche (einmalige) Kosten und Aufwendungen ebenso ignoriert wie Zinsen, sonstige Finanzierungsaufwendungen oder -erträge, Steuern, und Abschreibungen auf Firmenwerte. Auch „Bereinigung des Gewinns“ oder „Herausrechnen bestimmter Positionen“ genannt.
Eine mit dem EBITA verwandte Kennzahl ist das EBTA. Hier entfällt das Herausrechnen des Finanzergebnisses.
Im Fall von ratierlichen Firmenwertabschreibungen neutralisieren EBITA und EBTA deren gewinnverzerrende Auswirkungen und erleichtert damit die Bewertung des Betriebsergebnisses beziehungsweise des Gewinns vor Steuern. Seit im US-amerikanischen Rechnungslegungssystem US-GAAP und im internationalen System IFRS (nicht jedoch bei Rechnungslegung nach HGB) die ratierlichen Firmenwertabschreibungen abgeschafft wurden, hat diese Anwendung des EBITA und EBTA an Bedeutung verloren.
Im Fall von außerordentlichen Firmenwertabschreibungen neutralisieren EBITA und EBTA deren einmaligen Einfluss auf das Betriebsergebnis und auf den Gewinn vor Steuern und erleichtern dadurch dessen Hochrechnung auf zukünftige Betriebsergebnisse.
In der Finanzanalyse sind die verschiedenen Rechenwege und dementsprechend unterschiedlichen Bedeutungen dieser Kennzahl zu beachten. Vor einer Bewertung des EBITA bzw. EBTA ist zu klären, was damit genau gemeint ist.
In jüngster Zeit kommt in manchen Bilanzen ein zusätzliches R vor, also EBITAR. Dieses steht für rents („Mieten“).

Decimus Iunius Pera

Decimus Iunius Pera war ein Mitglied des römischen Plebejergeschlechts der Iunier und 266 v. Chr. Konsul sowie 253 v. Chr. Zensor.
Decimus Iunius Pera hatte laut den Fasti Capitolini einen gleichnamigen Vater und Großvater und war demnach der Sohn des Decimus Iunius Brutus Pera. Er behielt also von den beiden Cognomina seines Vaters, Brutus und Pera, nur das Letztere bei.
In den (erhaltenen) Quellen wird Decimus Iunius Pera erst 266 v. Chr. erwähnt, als er das Konsulat gemeinsam mit Numerius Fabius Pictor ausübte. Beide Konsuln durften wegen ihrer erfolgreichen Kriegführung über mehrere Völker zwei Triumphe abhalten, zuerst einen über die Sassinaten und später einen weiteren über die Sallentiner und Messapier.
264 v. Chr. veranstalteten Decimus Iunius Pera und sein sonst unbekannter Bruder Marcus anlässlich des Todes ihres Vaters erstmals in Rom Gladiatorenspiele, die als besondere Totenehren gedacht waren. Die Behauptung des spätantiken römischen Dichters Ausonius, dass bei dieser Gelegenheit thrakische oder thrakisch bewaffnete Kombattanten aufgetreten seien, wird von der modernen Forschung für unzuverlässig gehalten.
253 v. Chr. übte Decimus Iunius Pera die Zensur aus, wobei er den Konsul von 262 v. Chr., Lucius Postumius Megellus, zum Kollegen erhielt; als Letzterer während seiner Amtszeit verstarb, musste auch Pera aufgrund dieses unheilvollen Vorzeichens vom Zensorenamt zurücktreten.
Der Sohn des nach seiner Zensur nicht mehr erwähnten Decimus Iunius Pera war Marcus Iunius Pera, der 230 v. Chr. als Konsul, 225 v. Chr. als Zensor und 216 v. Chr. als Diktator amtierte.

Alan Hume

Alan Hume (* 16. Oktober 1924 in London; † 13. Juli 2010 in Chalfont St. Giles, Buckinghamshire) war ein britischer Kameramann.

Alan Hume lernte seinen Beruf von der Pike auf: Mit 18 Jahren arbeitete er während des Zweiten Weltkrieges als „Mädchen für alles“ für Olympic Film Laboratories in Acton, Middlesex bei London, als er kurzfristig den Job eines zum Kriegsdienst eingezogenen „Clapper Boys“ und 2. Kameraassistenten bei den Denham Filmstudios von Alexander Korda übernahm. Die Denham Studios waren zu dieser Zeit die größten ihrer Art im Vereinigten Königreich. Hier wurde er von Regisseur David Lean gefördert und stieg bald zum 2. Kamerassisten („Focus-Puller“) auf. 1944 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und diente bis zur Demobilisierung bei der Fleet Air Arm als Fotograf.
Nach Kriegsende arbeitete er weiter als Focus-Puller für die Denham und die Pinewood Studios, bevor er Mitte der 1950er Jahre erste Aufgaben als 1. technischer Kamerassist („camera operator“) übernahm. Der erste Film, den er als hauptverantwortlicher Kameramann („director of photography“) übernahm, war die Filmkomödie No Kidding – Beware of Children unter der Regie von Gerald Thomas für die Beaconsfield Studios von Peter Rogers in Buckinghamshire. Diesem Studio blieb er zehn Jahre lang verbunden, seither arbeitete er freischaffend und übernahm in den 1960er Jahren auch Aufgaben als hauptverantwortlicher Lichtgestalter („lighting director“) für Film und Fernsehen. Bekannt wurde Hume während der 1970er und 1980er Jahre durch seine Kameraarbeit für James-Bond-Filme mit Roger Moore, für die ihn Regisseur John Glen in den Pinewood Studios hinter die Kamera holte. So filmte er 1976 als Second unit-Kameramann die legendäre Skisprung-Eröffnungsszene von Der Spion, der mich liebte, 1981 war er erstmals 1. Kameramann und war in dieser Funktion für James Bond 007 – In tödlicher Mission tätig. Es folgten 1983 James Bond 007 – Octopussy sowie 1985 James Bond 007 – Im Angesicht des Todes. Danach wurde Hume von Alec Mills als Kameramann für die James-Bond-Filme abgelöst. Der „Bond-Familie“ jener Jahre blieb er auch nach Beendigung der Zusammenarbeit verbunden und nahm regelmäßig an Treffen ehemaliger Bond-Film-Mitarbeiter und -Stars teil, so zuletzt 2009 beim Event From Pinewood with Love.
Hume verantworte auch die Kameraarbeit für den sechsten Teil der Star-Wars-Saga Die Rückkehr der Jedi-Ritter und für den britischen Kinoerfolg und Kultfilm Ein Fisch namens Wanda. Auch wirkte Hume an zahlreichen Teilen der Carry-on…-Filmreihe mit. Seit den 1990er Jahren arbeitete er ausschließlich für das britische Fernsehen und zog sich 1998 von der Kameraarbeit ins Privatleben zurück.
1964 wurde er in die British Society of Cinematographers gewählt, deren Vorsitzender er von 1969 bis 1971 war; 1989 wurde er für den Best Cinematography Award nominiert. 2004 erschien seine Autobiographie A Life through the Lens. Memoirs of a Film Cameraman.
Hume war Vater von vier Kindern, die, ebenso wie ein Enkel, alle im Filmgeschäft oder in der Kameraarbeit tätig waren oder sind.
Alan Hume (mit Gareth Owen): A Life through the Lens. Memoirs of a Film Cameraman. Mit einem Vorwort von Peter Rogers und Kevin Connor. MacFarland & Company 2004.

Liste der Kulturgüter in Rifferswil

Die Liste der Kulturgüter in Rifferswil enthält alle Objekte in der Gemeinde Rifferswil im Kanton Zürich, die gemäss der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, dem Bundesgesetz vom 6. Oktober 1966 über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten sowie der Verordnung vom 17. Oktober 1984 über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten unter Schutz stehen.
Objekte der Kategorien A und B sind vollständig in der Liste enthalten (Stand: 1. Januar 2013). Unter übrige Baudenkmäler sind weitere geschützte Objekte zu finden, die im Verzeichnis der Objekte von überkommunaler Bedeutung der kantonalen Denkmalpflege zu finden und nicht bereits in der Liste der Kulturgüter enthalten sind.

Die Tabelle enthält im Einzelnen folgende Informationen:
Der Inhalt der Tabelle ist absteigend nach der Kulturgüterkategorie und innerhalb dieser alphabetisch sortiert.

Legende: Im Wesentlichen siehe Legende der Liste der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung, mit folgenden Ausnahmen:
Aeugst am Albis | Affoltern am Albis | Bonstetten | Hausen am Albis | Hedingen | Kappel am Albis | Knonau | Maschwanden | Mettmenstetten | Obfelden | Ottenbach | Rifferswil | Stallikon | Wettswil am Albis

Peter Berlin

Peter Berlin (* 28. Dezember 1942 als Armin Hagen von Hoyningen-Huene in Litzmannstadt, Deutsches Reich) ist ein Zeichner, Fotograf und Pornostar, der in den 1970er Jahren in der schwulen Subkultur bekannt wurde.

Der Großneffe des amerikanischen Modefotografen George Hoyningen-Huene verbrachte seine Jugend in Deutschland. Als Spross der verarmten deutsch-baltischen Adelsfamilie Hoyningen-Huene wuchs Armin in Berlin auf. Er jobte u.a. als Illustrator, Schneider und Fotograf. Als Mittzwanziger arbeitete er für das deutsche TV-Magazin V.I.P.-Schaukel und fotografierte internationale Prominente wie Catherine Deneuve, Alfred Hitchcock, Klaus Kinski und Brigitte Bardot.
Seine Leidenschaft gehörte Selbstporträts mit eigens geschneiderter Erotikkleidung. Die extrem figurbetonten Outfits trug er auch beim nächtlichen Cruising in Berliner Parks und Bahnhöfen. Anfang der 1970er-Jahre wanderte er in die Vereinigte Staaten aus. In seiner Wahlheimat San Francisco wurde er als „Peter Burian“ zu einem der bekannteren Exzentriker der Polk Street. Als ihm der Anwalt des deutschen Schauspielers Peter Burian 1971 wegen der Verwendung dieses Namens als Pseudonym eine Klage androhte, änderte er seinen Künstlernamen in „Peter Berlin“.
In Zusammenarbeit mit dem befreundeten Fotografen Richard Abel alias „Ignatio Rutkowski“ entstand 1972 der 16mm-Streifen Post Haste Hustle, in dem Berlin die Hauptrolle spielte. Auf Wunsch der Vertriebsfirma wurde der unverständliche Titel in Nights in Black Leather geändert. 1974 folgte der erfolgreiche Film That Boy in kompletter Eigenregie (Buch, Produktion, Regie, Hauptrolle). In den Mittsiebzigern produzierte er die vier Kurzfilme Blueboys (in der Nebenrolle sein langjähriger Freund Marc Majors), Waldeslust, Ciro and Peter sowie Search. Im Februar 1975 druckte das Magazin After Dark die achtseitige Portfoliostrecke Creating Peter Berlin.
Mit im Wesentlichen nur zwei pornografischen Filmen sowie durch seine eigenwilligen Selbstporträts schaffte es Peter Berlin, zu einem Sexsymbol für eine ganze Generation Homosexueller zu werden. Er unterhielt Beziehungen zu bekannten Personen, darunter Rudolf Nurejew. Bedeutende Künstler wie Tom of Finland, Robert Mapplethorpe und Andy Warhol nutzten ihn als Vorlage für Zeichnungen und Fotos.
Peter Berlin lebte vorwiegend vom Verkauf seiner Zeichnungen und Fotografien. 1986 kuratierte Mapplethorpe in New York City die provokante Ausstellung Split/Vision. In dieser Zeit erlangte er große Popularität auch über die Schwulenszene hinaus. Da seit Mitte der 1980er-Jahre die Aids-Epidemie besonders stark in San Francisco grassiert, musste Berlin den Tod vieler enger Freunde und Bekannter miterleben. Nach eigener Aussage führte das bei ihm zu Depressionen und einem frei gewählten Eremitendasein. Fast 20 Jahre lang lebte er äußerst zurückgezogen in einem Apartmenthaus nahe dem Castro-Viertel. Der französische Lehrer und Aktfotograf Biron wurde ein enger Unterstützer.
2002 lernte er den Fotografenkollegen Henning von Berg kennen. Fasziniert von den teilweise parallelen Biografien entstand eine Freundschaft. Allmählich begann für Peter Berlin eine schrittweise Rückkehr in die Öffentlichkeit. 2005 drehte der Regisseur Jim Tushinski mit Co-Produzent Lawrence Helman die Dokumentation That Man: Peter Berlin (Deutsch: Die Peter-Berlin-Story), die auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet wurde. Die New Yorker Leslie/Lohman Gallery widmete ihm 2006 die vielbeachtete Ausstellung Berlin on Berlin. Die DVD Nights in Black Leather wurde bei den GayVN Awards 2007 als „Best Classic DVD Release“ prämiert und in die Hall of Fame aufgenommen.

Goldene Tafel

Die Goldene Tafel ist ein hölzernes Retabel in Form eines gotischen Flügelaltars aus dem 15. Jahrhundert, das für den Mindener Dom geschaffen wurde. Es steht auf einer romanischen Predella von 1220. Die Bezeichnung des für die Kirchenkunst bedeutenden Stücks deutet auf die ehemalige, größtenteils verlorengegangene Vergoldung hin.
Die Goldene Tafel zählt heute zu den wertvollsten Exponaten des Bode-Museums in Berlin. Eine kleinere Version des Retabels wurde im späten 19. Jahrhundert für St. Johannis Baptist in Herford gefertigt. Im Chor des Mindener Domes befindet sich seit 2002 eine Rekonstruktion der Goldenen Tafel. Alle drei Goldene Tafeln sind in Motivwahl, Stil und künstlerischer Ausgestaltung ähnlich, keine jedoch ist beziehungsweise war eine exakte Kopie einer anderen.

Bei der Goldenen Tafel im Berliner Bode-Museum (Standort: 52° 31′ 18″ N, 13° 23′ 42″ O52.52168213.395113Koordinaten: 52° 31′ 18″ N, 13° 23′ 42″ O) handelt es sich um das Original, das jedoch nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Augenfällig ist, dass einige Figuren verschollen sind oder auf ihren Plätzen getauscht wurden und die Bemalung und Vergoldung größtenteils verlorengegangen sind.
Die Goldene Tafel besteht aus einer romanischen Predella sowie einem gotischen Retabel. Sie ist aus Eichenholz geschnitzt und zeigt nur noch Reste der ehemals vollständigen Bemalung und Vergoldung. Teile und ganze Figuren fehlen, das Holz ist in teils sehr schlechtem Zustand. Die Flügel sind fixiert, daher nicht mehr beweglich. Mit geöffneten Flügeln hat das Retabel eine Breite von etwa 5,5 Metern.
Das Retabel ist ein Flügelaltar. Im Zentrum des Mittelteils erscheint in einem Kreismedaillon die Krönung Mariens. Die gekrönte Gottesmutter Maria sitzt auf einer gotischen Thronbank zur Rechten Christi, der den Arm zum Segen erhoben hat. Im in mehrere Felder unterteilten Kreismedaillon bildet ein Kranz musizierender Engel eine Gloriole. Beidseitig der Krönungszene stehen die zwölf Apostel unter gotischen, teils später rekonstruierten , Baldachinen. Alte Fotografien belegen, dass die Apostelfiguren ihre Position mehrfach gewechselt haben. Eine Rekonstruktion der ursprünglichen Anordnung wird davon ausgehen, dass die wichtigsten Apostel in der Nähe des Zentrums standen, neben Petrus und Paulus kommen hier Johannes, Andreas oder Jakobus maior in Frage. Dies kann jedoch nicht mehr als eine Hypothese sein. Da der Altar aus derselben Werkstatt wie der ehemalige Altar der Jakobikirche in Lübeck (heute Museum Schwerin) stammt, ist die dort an der Altarwand in die Heiligenscheine geschriebene Namenfolge möglicherweise auch für die Mindener Tafel gültig. Im Jakobikirchaltar standen von links nach rechts: Simon, Matthäus, Matthias, Jakobus major, Johannes, Petrus, Paulus, Andreas, Jakobus minor, Bartholomäus, Thomas, Philippus. Der Apostel Judas Thaddäus ist also dort nicht in die Zwölf-Apostel-Reihe aufgenommen. Doch könnte in Minden je nach örtlicher Vorliebe auch ein anderer minder wichtiger Apostel wie Matthias oder Philippus entfallen sein.
Da auch am Jakobikirchaltar die Figuren später vertauscht wurden, ist eine Identifizierung der dortigen Einzelskulpturen nicht möglich und der Vergleich somit unergiebig. Die Identität der einzelnen Figuren der Goldenen Tafel ist nur bei einer Figur zweifelsfrei zu klären, da sie ihr Attribut behalten hat: Die bartlose Figur an Position Nr. 4 von links mit einem Kelch, aus dem eine Schlange kriecht, ist der heilige Johannes (Evangelist). Der Schlüssel in der Hand einer weiteren Figur (Position 10 von links) ist nicht original und kann daher diese Gestalt nicht als Petrus ausweisen, zumal sie nicht dem gängigen Petrustypus entspricht. Wegen ihrer kahlen Stirn und des langen Bartes kann sie vermutungsweise als Paulus identifiziert werden, doch kommt auch Figur 2 als Paulus in Frage. Aufgrund des Gesichtstypus (kurzer lockiger Bart) ist entweder die Figur Nr. 1 oder die Figur Nr. 8 als Petrus zu benennen, falls nicht das fragmentarische Attribut von Nr. 8 ein Messer war, was diesen als Bartholomäus ausweisen würde. Schließlich ist die zweite bartlose Figur Nr. 9, die in ein aufgeschlagenes Buch blickt, vielleicht als Matthäus zu benennen, da es sich bei diesem Apostel um den Autor eines Evangeliums handelt.
Unter der Apostelreihe sind auf einem niedrigen Sockelstreifen vierzehn meist als Propheten bezeichnete Personen in Medaillons dargestellt. Die Inschriften in den Medaillonrahmen der prophetischen Figuren des Sockelgeschosses sind teils noch erhalten. Lesbar sind noch: Osea, Amos, Salomo, Philon, Sophonias. Es handelt sich also nicht ausschließlich um alttestamentliche Propheten, sondern um Gestalten des Alten Testamentes. Die weiteren Figuren sind anhand der heutigen Darstellung nicht identifizierbar. Die Inschriften der Schriftbänder, die die vierzehn in ihren Hände halten, zeigten vermutlich Textzitate aus entsprechenden Bibelstellen, die man im Mittelalter auf Maria bezog.
Vom jeweils die drei Tafeln umgebenden Schriftband sind nur wenige Buchstaben in gotischer Fraktur erhalten. Der Text konnte nicht verlässlich rekonstruiert werden.
Auf den Rückseiten der Schwenkflügel des Retabels fanden sich bei einer Restaurierung geringe Reste von Malereien.
Die romanische Predella zeigt in der Mitte erneut die Marienkrönungsszene ähnlich wie beim Retabel darüber, aber deutlich weniger herausgehoben als beim Retabel darüber, denn Jesus und Maria sind nicht aufwendig wie oben von weiteren Figuren umrandet, sondern stehen wie alle weiteren Figuren der Predella unter einer gemeinsamen Blendarkaden mit Kleeblattbögen im romanischen Stil. Die Arkaden setzen sich neben Maria und Jesus und in einer darunter fort. Die beiden Arkadenreihen der Vorderseite bedachen inklusive der Figuren Jesus und Maria insgesamt 22 Figuren, die jeweils unter einem Bogen stehen oder sitzen. Neben der Marien- und Jesusdarstellung sind die Figuren von zehn Aposteln sind erhalten, außerdem Bischöfe, Diakone und Ritterheilige, bei denen es sich wohl neben dem Dompatron Gorgonius um weitere regional verehrte Heilige handelt, darunter eine weibliche Person. Die meisten sind sitzend wiedergegeben, einige stehend. Die Figuren unter sechs Arkaden der Vorderseite fehlen. Die mittleren und seitlichen Stücke der Front springen etwas hervor. An den Seitenwänden finden sich in Fortsetzung der zwei vorderen Arkadenreihen jeweils zweieinhalb weitere Blendarkaden. Auch die vier voll ausgebildeten Arkaden weisen keine Figuren auf. Den seitlichen Arkaden fehlen also mindestens 12 weitere Figuren. Insgesamt fehlen der Berliner Predella also mindestens 18 Figuren.
Das Original war bis zur Aufhebung des Mindener Bistums prominentes Ausstattungsstück im Dom. 1656 wurde die Goldene Tafel durch einen Barockaltar ersetzt, der den Zweiten Weltkrieg nicht überstand und verbrannte. Die Goldene Tafel wurde seit 1656 die längste Zeit zusammengeklappt im Dom gelagert und spielte in der damaligen Liturgie keine Rolle. Das Holz und die Bemalung der Tafel wurden während dieser nachlässigen Lagerung stark angegriffen. Einzelne Figuren gingen verloren. Die Tafel wurde dann 1909 für 40.000 Reichsmark von der Domgemeinde an das Bode-Museum in Berlin verkauft.
Die Predella ist ein Werk der Romanik, datiert auf die Zeit um 1220. Die Dendrochronologie ergab ein frühestmögliches Datum 1214. Die Predella war vermutlich ursprünglich ein Altar mit kastenförmig ausgebildeten Reliquienschrein. Der kastenartige Aufbau setzt sich heute an den Seiten in nur noch zweieinhalb Blendarkaden in die Tiefe fort. Die deutet darauf hin, dass seitlich Teile der Arkadenreihe abgesägt wurde, so dass der Altar früher tiefer gewesen sein muss und eine unbestimmte Anzahl weiterer Arkaden und Figuren hatte. 22 Figuren sind erhalten, mindestens 18 fehlen im Berliner Werk. Zwei davon sind im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg erhalten. Zwei weitere gehörten zu den Exponaten im Kestner-Museum in Hannover. Diese beiden wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und nur Fotografien sind überliefert. Die mittleren und seitlichen Stücke der Front, die etwas hervor treten, waren einst mit Giebeln bekrönt. Die Rekonstruktion ergibt daher einen Altar-Schrein mit Satteldach und drei Giebelhäusern, der wohl auf einem Altarblock stand. Anfang des 13. Jahrhunderts gab es noch keine Altäre mit Predellen. Die Verwendung als Predella statt als Reliquienschrein bzw. die heutige Kombination aus Predella und Retabel geht daher frühestens auf das 15. Jahrhundert zurück.
Das gotische Retabel stammt aus der Zeit um 1420/1425. Die dendrochronologische Datierung der Hölzer des Retabels ergab ein frühestmögliches Entstehungsdatum 1421. Das Holz stammt nach botanischer Untersuchung aus dem Weserbergland südlich Mindens. Da die Deckplatte der heutigen Predella zum neueren Retabel gehört, ist dieses vermutlich von vornherein in der Absicht geschaffen worden, den Reliquienschrein aus dem frühen 13. Jahrhundert als Predella in den neuen Altar zu integrieren. Der Aufbau als Retabel mit Standfigurenreihe, Sockelgeschoss und zentraler Gruppe folgt dem Beispiel niedersächsischer Altäre wie beispielsweise dem Marienkrönungsaltar in der Matthäikirche Gronau, der sich ehemals in St. Godehard in Hildesheim befand. Die Figuren zeigen eine große Ähnlichkeit mit den Figuren des ehemaligen Altars der Jakobikirche in Lübeck, der sich heute in Schwerin befindet. Dadurch geben sie sich als Arbeiten einer Lübecker Werkstatt zu erkennen. Ein Nachfolgewerk der Goldenen Tafel, das besonders den auffälligen Mittelkreis kopiert, ist der Altar der St. Sixti-Kirche in Northeim. Dass man in Minden für den Hochaltar des Doms auf den Lübecker Kunstkreis zurückgriff, zeigt die Verbindungen der Städte in der Hanse.
Der spätmittelalterliche Flügelaltar ist eine qualitätvolle Arbeit des sogenannten „Weichen Stils“. Kulturhistorisch interessant ist die Verbindung romanischer und gotischer Teile zu einem Kunstwerk. Besondere musikhistorische Bedeutung haben die musizierenden Engel des Retabels. Musikhistoriker können anhand dieser Darstellung mittelalterlicher Musikinstrumente ihrer Erstverwendung datieren. Die Tafel zeigt beispielsweise die älteste bekannte Abbildung eines Cembalos.
Die Goldene Tafel in der Apsis der katholischen Pfarrkirche St. Johannis Baptist in Herford (Standort: 52° 6′ 54″ N, 8° 40′ 35″ O52.1151358.676276) ist die zweitälteste Version der Goldenen Tafel. Sie lehnt sich in Motiv und Stil an die Berliner Goldene Tafel an. Neben dem Erhaltungszustand, bestehen weitere deutliche Unterschiede. Auffällig ist beispielsweise die deutlich abweichende Darstellung einiger Figuren. Insgesamt handelt es sich daher bei der Herforder Goldenen Tafel um keine bloße (verkleinerte) Kopie der Berliner Version, auch wenn sie häufig als eine solche bezeichnet wird.
Die Herforder Goldene Tafel ist gut erhalten. Die Vergoldung und Figuren sind intakt. Allerdings ist die Herforder Version deutlich kleiner als die Berliner Version. Die Herforder Goldene Tafel besteht aus dem Retabel mit Gesprenge sowie einem neueren Unterbau.
Das Retabel ist ein geschnitzter Flügelaltar im gotischen Stil mit zwei beweglichen Seitenflügeln.
Hauptmotiv des Retabels ist die Marienkrönung. Auf einer breiten Thronbank sitzt zu Rechten des sitzenden Jesus Maria. Die sich Jesus zuwendende und bereits gekrönte Maria hat ihre Hände wie zum Gebet erhoben. Jesus, dargestellt mit Krone und Weltenkugel, hat seine rechte Hand zur Segnung Marias erhoben. Diese Szene umgibt eine in mehrere Felder unterteilte Aureole, in der 39 Engel dargestellt sind. Die Felder der Aureole ordnen die Engel, 36 davon tragen Musikinstrumente, in neun Engelschöre. Das Marienkrönungsrelief ist auf einer Drehscheibe gelagert, so dass die Mittelszene gewandelt werden kann. Dreht man die Scheibe, erscheint eine Darstellung des Gotteslamms.
Dieses zentrale Motiv wird um die Darstellung der zwölf Apostel in einer oberen Reihe und 14 meist alttestamentlichen Propheten in einer Reihe darunter ergänzt. Die Figuren der Apostel werden von gotischen Baldachinen bedacht. In ihren Händen tragen die Apostel Bibeln und die meisten ihre Attribute, die eine Identifizierung erlauben.
Die meist alttestamentlichen Propheten sind in kreisrunden Medaillons und deutlich kleiner als die Aposteln darüber dargestellt. In ihren Händen tragen sie beschriftete Torarollen, als alttestamentliches Pendant zu den Bibeln in den Händen der neutestamentlichen Aposteln darüber. Der obere Rand der Medaillons trägt den Namen des jeweils dargestellten Propheten.
Die drei Tafeln des Altars sind jeweils mit einem Schriftband gerahmt. Die lateinische Beschriftung ist in gotischer Fraktur ausgeführt. Die auf der Herforder Version wiedergegebenen Texte weichen teils von den wenigen erhaltenen Buchstaben des Berliner Originals ab und können daher nicht durchweg als zuverlässige Rekonstruktionen gelten.
Das Retabel trägt ein Gesprenge in neugotischem Stil, das sich über die gesamte Breite des Hauptschreins zieht.
Die Innenseiten des Flügelaltars sind großflächig vergoldet. Umlaufende Frakturschrift und Gloriolen um die Köpfe der Aposteln sowie einige weitere Motive sind als Glanzvergoldung ausgeführt und heben sich dadurch vom überwiegend mattgoldenen Untergrund ab. Andersfarbig bemalt sind nur wenige Teile. Auffällig ist die blaue Bemalung der Innenseiten und einiger Bausche der ansonsten goldenen Gewänder der Figuren. Lebensecht bemalt sind weitere Teile, darunter besonders auffällig die Attribute der Aposteln, die Physiognomie der Figuren, Pergament und Papier.
Die Rückseiten der Altarflügel zeigen eine Tafelmalerei mit großflächiger Vergoldung. Hauptmotiv ist die Kreuzigung Christi. Daneben erscheinen die Geburt Christi, die Anbetung der Heiligen Drei Könige und die Auferstehung.
Der heutige schlichte Unterbau aus hellen Sandsteinquadern ist jünger als das Retabel und ersetzt die ursprünglich vorhandene Predella, die nach der Liturgiereform zusammen mit der Mensa beseitigt wurde. Der Unterbau weist dieselbe Breite wie der Hauptschrein auf und lässt das Bewegen der Flügel des Retabels weiterhin zu. Eingelassen sind Reliquien der Heiligen Pusinna, die einst in der nun lutherischen Herforder Münsterkirche „St. Marien und Pusinna“ verehrt wurde, nachdem die 860 die Reliquien der heiligen Pusinna aus Frankreich nach Herford überführt worden waren. Das Knöchelchen der Pusinna wird in einem 1944 von Lorenz Kardinal Jaeger geweihten Reliquiar aus dunklem Holz und mit einem Schauglas auf seiner Vorderseite verwahrt.
Die Herforder Version wurde 1891 durch den mit der Restaurierung des Originals, das sich damals noch im Mindener Dom befand, betrauten Bildhauer Anton Mormann (1851–1940) aus der Wiedenbrücker Schule angefertigt. Vorlage der Herforder Version war also die damals noch besser erhaltene Mindener Tafel. Mormann fertigte eine verkleinerte Version der Goldenen Tafel, die sich ganz überwiegend als Nachahmung der Originaltafel präsentiert, in Teilen jedoch auch künstlerisch frei gestaltet wurde. In Herford diente die Goldene Tafel zunächst als Mittelstück des früheren Hochaltars. Die ursprünglich ebenfalls vorhandene, von Mormann nachgeahmte Predella wurde nach der im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgten Liturgiereform beseitigt. Bei der letzten Kirchenrenovierung wurde ein moderner Sockel aufgestellt, in den die Reliquien der Heiligen Pusinna eingelassen wurden.
Bei der Goldenen Tafel im Chorpolygon des Mindener Domes (Standort: 52° 17′ 20″ N, 8° 55′ 11″ O52.288918.919809) handelt es sich um die jüngste Version der Goldenen Tafel. Motivwahl und Stil lehnen sich an die Vorbilder in Minden und Herford an. In Berlin fehlende Figuren sowie die in Berlin größtenteils verlorengegangene Vergoldung und sonstige Farbgestaltung wurden ersetzt. Insgesamt handelt es sich bei der Goldenen Tafel also weder um eine künstlerisch völlig freie Neuschöpfung noch um eine Kopie einer der früheren Versionen, sondern um eine Rekonstruktion. Die Rekonstruktion ist aber ebenfalls ein Werk hohen handwerklichen Wertes und, soweit eine freie Gestaltung einiger Teile vorliegt, auch von hohem künstlerischen Wert.
Die Goldene Tafel in Minden, aufgrund ihrer Entstehungszeit in tadellosem Zustand, besteht aus dem Retabel und der Predella auf einem schlichten, hölzernen, modernen Unterbau. Mit geöffneten Flügeln ist das Retabel wie in der Berliner Version rund fünfeinhalb Meter breit.
Die Innenseite des Retabel entspricht in Stil, Form und Gestaltung annähernd der Herforder Version, die jedoch im Gegensatz zur Herforder Version und genau wie die Berliner Version kein Gesprenge hat. Die Hauptmotive Marienkrönung umgeben von den Engeln, die Aposteln, darunter die Propheten finden sich sämtlich auf der Mindener Version wieder. Auffällige Unterschiede betreffen vor allem die Figuren der Aposteln. Besondere Attribute weisen nur drei der vier Inneren Aposteln und sind daran zu identifizieren als Johannes (Attribut: Kelch), Petrus (Schlüssel), [unbestimmt] und Jakobus (Pilgerhut und Beutel) (von links nach rechts). Aufgrund der Unsicherheit der ursprünglichen Reihenfolge des Originalaltars (siehe dazu oben) entspricht Reihenfolge und Kombination von Figur und Attribut kaum der Originalreihenfolge – von der jetzigen Zusammenstellung der Figuren in Herford und Berlin weicht die rekonstruierte Reihenfolge ohnehin ab.
Motivkomposition und Stil sind näherungsweise ähnlich der Berliner Version. Hauptmotiv ist also auch in der Mindener Version die Marienkrönung begleitet von zwei Reihen weiterer Figuren unter Arkaden. Die Darstellungen der Figuren weicht aber in vielen Details teils deutlich davon ab. Am auffälligsten ist Rekonstruktionen der fehlenden Figuren. Rekonstruiert wurden beispielsweise der Domschutzpatron Gorgonius in seiner römischen Rüstung (zur Rechten Marias) sowie der erste Mindener Bischof Erkanbert (obere Reihe, 5. Figur zur Linken Jesus). In der Rekonstruktion fällt die Bestimmung der abgebildeten Personen, darunter Bischöfe und Heilige, einfacher als bei der stark beschädigten Berliner Predella. Eine Identifizierung aller Personen ist aber nicht möglich. In der Mindener Version sind die in der Berliner Predella kaum noch erkennbaren Engel über den Arkaden deutlich zu erkennen.
Bemalung und Vergoldung wurden ebenfalls rekonstruiert. Wie bei der Retabel dominiert der Goldbelag. Körperteile sind wie beim Retabel lebensecht bemalt. Neben dem beim Retabel besonders auffälligen Blau sind Teile der Gewänder und Bibeln in Rot gehalten.
Der hölzernen Unterbau ist schlicht gehalten und genauso breit und tief wie die Predella und ermöglicht so weiterhin das Schließen der Seitenflügel.
Nachdem Versuche eines Rückkaufs der Originaltafel in Berlin gescheitert waren, entschieden sich die Mindener 1999 für die Rekonstruktion der Originaltafel. Die Südtiroler Bildhauer Wilhelm Senoner und Hugo Senenor rekonstruierten die Goldene Tafel anhand der Vorlagen in Berlin und Herford und älterer Skizzen und Fotografien. Unterstützt wurden die Senenors durch die Paderborner Firma Ochsenfarth Restaurierungen. Die Rekonstruktion wurde 2002 durch den Paderborner Kardinal Joachim Degenhardt geweiht.

Berlin-Arkenberge

Arkenberge ist eine Ortslage im Norden des Berliner Ortsteils Blankenfelde im Bezirk Pankow.
Die Siedlung liegt etwa drei Kilometer nördlich von Blankenfelde in einem ansonsten unbesiedelten Gebiet. Westlich von Arkenberge liegt jenseits des Tegeler Fließ das Dorf Schildow. Der Name stammt von den Arkenbergen, die nördlich der Siedlung aus mehreren Hügeln bestanden. Ursprünglich bis zu 70 Meter hoch, wurden die Berge weitgehend zum Abbau von Baumaterialien für den Autobahnbau genutzt.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kiesvorkommen der Berge für Baumaßnahmen in Berlin und Umgebung verwendet. Neben der Einebnung des Geländes führte dies auch zur Bildung von zwei Kiesseen, von denen der größere als Arkenberger Baggersee bezeichnet wird. Auf anderen Flächen wurde eine Mülldeponie angelegt, die heute für Bauschutt und andere Abfälle genutzt wird.
Im Jahr 1932 wurde die Kleingartenanlage Arkenberge gegründet. Auf 72 Parzellen entlang der Hauptstraße entstanden daraufhin Wohnlauben, die bis heute die Unterkünfte der Bewohner der Arkenberge bilden. Daneben gibt es etwa einen Kilometer nordöstlich der Siedlung die Kleingartenanlage Arkenberger Grund mit einigen Schrebergärten.
Seit den 1980er Jahren ist das Gebiet an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen. 1987 wurde die erste Busverbindung in die Siedlung eröffnet. Derzeit (Stand 2014) verkehren werktags etwa zehn Busfahrten der Linie 107 nach Arkenberge, am Wochenende etwa die Hälfte. Etwa 2,5 Kilometer nördlich wurde im Jahr 1983 am Berliner Außenring der Haltepunkt Mühlenbeck-Mönchmühle der S-Bahn Berlin eröffnet. Im Zusammenhang mit geplanten Wohnungsbausiedlungen war auch ein Haltepunkt Arkenberge im Gespräch, erste Baumaßnahmen an den Bahnsteigen liefen Ende der 1980er Jahre an. Zum Bau dieser Wohngebiete und des Bahnhofes ist es nicht gekommen.
Seit 1984 entstand östlich der Siedlung eine Bauschuttdeponie. Ihre höchste Erhebung erreicht heute eine Höhe von 122 m ü. NHN, die im Januar 2015 offiziell den Teufelsberg als höchste Erhebung Berlins ablöste. Das Gebiet gehört zum Naturpark Barnim, da neben den Gewerbebetrieben große Flächen als Feuchtbiotope erhalten blieben.
52.64113.402Koordinaten: 52° 38′ N, 13° 24′ O